empfohlen von Uta Fricke
Sie haben die“ Asche meiner Mutter“ geliebt?
Besonders die Verknüpfung einer düsteren Biografie mit historisch-sozialem Hintergrund mit scharfem satirisch-schwarzem Humor?
Ein Buch in dem man weiß, dass man nicht lachen darf, weil das Thema zu realistisch und ernst ist, man aber lachen soll, damit man erkennt, mit welchem Lebenswillen und Hoffnungsdenken die Hauptfigur diese furchtbare Zeit überstanden hat?
Dann sind Sie hier richtig!
Kurt Gerson, besser bekannt als Kurt Gerron war ein deutscher Schauspieler, Komiker, Sänger und Regisseur jüdischer Abstammung. 1944 wurde er ins KZ Theresienstadt deportiert. Dort soll er nun einen Film über das KZ drehen, in dem dieser Ort verschönt dargestellt wird.
Das sind die wahren Fakten und zugleich die Ausgangssituation des Buches. Soll er den Film drehen und somit keinem Menschen danach mehr in die Augen sehen können? Oder weigert er sich, was unvermeidlich zur Deportation für ihn, seine Frau und weitere +Insassen, die mit dem Film zu tun gehabt hätten, zur Folge hätte?
In dieser Entscheidung festhängend, zieht Gerron die Bilanz seines Lebens. Er kehrt gedanklich an die Orte seiner Kindheit und Jugend zurück, lässt den 1. Weltkrieg passieren und schildert den tiefen Fall vom gefeierten UFA-Filmstar zum KZ-Häftling. |
In das biografische Gebäude Gerrons hat Lewinsky sehr feinfühlig Situationen eingewoben, die biografisch nicht belegt sind. Aber sprachlich und phantasievoll brilliant erzählt, könnten sie durchaus so gewesen sein.
Dem Leser ist dies egal. Gerron hatte keine Chance mehr, eine Autobiografie zu schreiben, aber ich denke, er wäre zufrieden mit der Arbeit Lewinskys. Er schafft es, nicht nur einen spannenden, tiefgründigen, und mit schwarzem Humor gespickten Roman zu schreiben, sondern er lässt Gerron zu einer Figur werden, die dem Leser wieder einmal bewusst macht, wie viele wunderbare, interessante Menschen durch das 3. Reich ihre Lebensberechtigung verloren hatten, nur weil sie die „falsche“ Genetik besaßen.
Ein kurzweiliger literarischer Ausflug in eine Biografie einer Zeit, zu der man nicht genügend Literatur gelesen haben kann.
Und das stilistisch gewagt, aber erfrischend anders!
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